"From the River to the Sea!"
- Milena Schiller Ninô

- vor 19 Stunden
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„From the River to the Sea, Palestine will be free!“
Wo man auch hingeht, sei es draußen in der Stadt oder im Internet auf Social Media, überall ist sie zu finden, die Parole, die man bei uns im Westen so leichtfertig skandiert, ohne zu wissen, was sie wirklich bedeutet. Ignoranz oder Naivität? Oder vielleicht doch Verblendung? Eine Mischung aus alldem vermutlich.
„Freiheit für Palästina“ soll die Parole bedeuten, dabei hat das arabische Original nichts mit Freiheit zu tun, auch nicht für Palästinenser. Ja, das Wort Freiheit ist im Original nicht einmal mit der Lupe zu finden. „Min el-mayeh lil mayieh, Falastin arabiye“ – Vom Wasser bis zum Wasser, Palästina ist arabisch.
Arabisch. Nicht frei.
Kein Platz für Juden oder gar einen jüdischen Staat. Es geht und ging nie um eine Zwei-Staaten-Lösung, für ein gemeinsames Zusammenleben von Arabern und Juden, es geht um die Auslöschung des einzigen jüdischen Staates und seiner jüdischen Bevölkerung
Auch wenn der naive Westen mit seiner suizidalen Empathie und endloser Naivität versucht sich einzureden, dass man nichts gegen Juden hätte, sondern einfach nur Freiheit für die Palästinenser fordere.
Wenn man aber fragt, welches Palästina überhaupt gemeint ist, meinen die meisten das Palästina zur Zeit des Britischen Mandatsgebiets für Palästina. Allerdings, und das bedenkt oder weiß man wohl in manchen Kreisen nicht, gehörte auch das heutige Jordanien zu diesem Mandatsgebiet, bis es am 25. Mai 1946 offiziell Unabhängigkeit erlangte. Rund 70 Prozent der Jordanier sind Palästinenser, befreien will man diese Palästinenser aber nicht und Interesse an der Entkolonialisierung dieses Gebiets hat man interessanterweise auch nicht. Lediglich das Fleckchen, das mehrheitlich von Juden bewohnt wird, will man entkolonialisieren und von den bösen jüdischen Invasoren befreien.
Das ist eigentlich etwas, das einen doch zum Nachdenken bringen müsste, denn es ergibt vorne und hinten keinen Sinn, vor allem wenn man in der Grundschule noch gelernt hat, dass Jesus Jude war und vor mehr als 2000 Jahren im heutigen Israel gelebt hat. Leider macht es aktuell den Anschein, als sei bei Vielen die Masse in ihrem Schädel lediglich ein Platzhalter und kein funktionierendes Organ, das durchaus benutzt werden darf. Selbständiges, logisches und rationales Denken, vor allem aber das Denken allgemein, ist out. Es ist doch so viel einfacher und cooler, wenn man sich, unreflektiert und antisemitische Parolen brüllend, als Teil von etwas ganz Großem fühlen kann, während man ganz nebenbei jeglichen Antisemitismus relativiert oder rechtfertig. Eine ganz verquere Denke, die bei jedem die Alarmglocken läuten ließe, kämen solche Äußerungen aus dem rechten politischen Lager oder, Gott bewahre, von einem Mitglied oder Wähler der AfD.
Kommt er aber von links und von muslimischen Menschen, also von den Guten, den Solidarischen, den Mitfühlenden, dann kann das doch gar nicht böse und schon gar kein Antisemitismus sein.
Angesprochen auf den explodierenden Judenhass, den man schwarz auf weiß in sämtlichen Statistiken findet, wird nur abgewunken, die Zahlen seien eh falsch, da Kritik an der israelischen Regierung als antisemitisch eingeordnet würde. Die Zahlreichen verbalen und körperlichen Angriffe auf jüdische Menschen und jüdische Einrichtungen weltweit, die leider viel zu viele Leben gekostet haben, will man nicht als antisemitisch sehen, sondern als direkte Folge der Handlungen der israelischen Regierung. Man betreibt eine Täter-Opfer-Umkehr und erteilt damit dem eigenen Antisemitismus, der liebevoll in Antizionismus umgetauft wurde, Absolution und muss sich somit nicht als der Judenhasser fühlen, der man eigentlich ist. Was jüdische Menschen am anderen Ende der Welt mit dem Handeln der israelischen Regierung zu tun haben, bleibt unbeantwortet – denken und hinterfragen? Unerwünscht.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass Juden mal wieder selbst schuld sind, wenn sie Gewalt erfahren. Also genau so, wie Frauen Schuld an der eigenen Vergewaltigung sind, wenn sie sich auf eine bestimmte Art kleiden? Das ließe sich doch nicht vergleichen, Frauen hätten doch niemandem etwas getan, das eine Vergewaltigung rechtfertige. Israel hingegen töte doch Kinder in Gaza, mehr als 380.000 Kinder unter 5 Jahren! Dass laut palästinensischen Zahlen nicht einmal 380.000 Kinder unter 5 Jahren im Gazastreifen leben, wird gekonnt ignoriert. Israel wird zum kindermordenden Feind stilisiert, um die Ursache der Gewalt gegen Juden nicht bei den antisemitischen Tätern, sondern bei Israel zu suchen und zu finden. Juden werden kollektiv für das Handeln der israelischen Regierung verantwortlich gemacht und dürfen deshalb auch kollektiv bestraft werden. Kommt uns das nicht aus dem Geschichtsunterricht bekannt vor? Mir schon. Auch wenn der Antisemitismus der Pro- Palästina-Bewegung von Muslimen und Linken ausgeht und nicht von Rechtsextremen. Warum Judenhass von links besser oder gar gerechtfertigt sein soll, erschließt sich mir nicht. Antisemitismus ist Antisemitismus und es wird Zeit, dass wir uns als Gesellschaft von der Vorstellung lösen, dass Antisemitismus nur von rechtsextremen Nazis ausgehen kann und alles andere kein Antisemitismus ist. Es wird Zeit, dass wir linken und muslimischen Antisemitismus genauso ernstnehmen wie rechten Antisemitismus, bevor es zu spät ist.
Nie wieder ist nicht jetzt, nie wieder war gestern.

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